Restaurierung Goggo Limousine

Inhalt

 

Die Limousine Bj. 1969 wurde1981 nach Österreich importiert aber hier nie zugelassen. Als letztes ist sie in unserem Garten gestanden, immer schön mit einer Plane abgedeckt.
Beim Clubtreffen in der Schweiz 2012 ohne eigenen Glas wurden meine Frau und ich motiviert und dabei haben wir das Versprechen abgegeben, beim nächsten Treffen mit dem eigenen Goggo zu kommen.

Damit war der Zeitplan vorgegeben. Ein Jahr für eine Totalrestaurierung! Wieder zu Hause habe ich erst mal eine grobe Bedarfsanalyse gemacht und den ersten großen Schwung Ersatzteile bestellt.

Anschließend ging es an's Zerlegen.
Ich habe während der gesamten Restaurierung das Prinzip beibehalten, bei jedem demontierten Teil sofort mit der Instandsetzung zu beginnen.

Dadurch konnte ich notwendige Ersatzteile rechtzeitig bestellen und legte nur fertig restaurierte Teile aufs Lager.

Die Karosserie war in einem sehr schlechten Zustand. Die unteren 30 cm hatte es wirklich schlimm erwischt. Aber das ist wohl bei den meisten so.

Bevor ich mich ans Teilen der Karosse machte, habe ich in die Türöffnungen je ein Vierkantrohr geschweißt und zur gegenüber liegenden Seite mit zwei Rohren versteift, um die Karosserie zu stabilisieren.
Die Trennung war gar nicht so einfach, denn es hatten sich einige Reparaturschweisser verwirklicht und die Schrauben unter mehreren Lagen Blech versteckt.

Mit kräftiger Hilfe eines Freundes und Einsatz aller vorhandenen derben Mittel, wie Winkelschleifer, Geradeschleifer, Meißel, Hammer und Brechstange ist die Trennung gelungen.
Um besser arbeiten zu können, habe ich die Bodenplatte in ein selbstgebautes, fahrbares Drehgestell eingespannt.
Der Sandstrahler war davon auch begeistert.

Ich fand bis zu fünf Lagen Blech übereinander geschweißt, verstärkt mit zwei zusätzlichen Querträgern aus 15 x 50 mm Flachstahl unterhalb der Wagenheberaufnahmen!

Ja, und einen Träger repariert man mit einem Träger und noch einem Träger? Alles schön übereinander gebraten und natürlich ohne Korrossionsschutz.
Die Bodenplatte wurde bis auf die hoffnungslosen Teile sandgestrahlt.
Ich habe der Reihe nach Längsträger und Bodenbleche ersetzt und die Radkastenaussenseiten, sowie Teile des Mitteltunnels erneuert.
Leider ist die Passform der Bleche, die ich gekauft hatte, nicht immer zufriedenstellend gewesen. Ich musste einige Bleche zuschneiden und anpassen. Teilweise musste ich Sicken wieder gerade hämmern.
Auch die Materialstärke ist grenzwertig. Heute mag es ja üblich sein ein 0,6 mm Blech zu verwenden, aber damals war dort ein 1mm Blech.
Wer's kann ist besser beraten, wenn er die Bleche selbst anfertigt.

        5 Lagen Blech übereinander5 Lagen Blech übereinander          

Achsen, Bremsankerplatten, Bremszylinder, Pedalerie, Lenkgetriebe, Bremstrommeln, Querträger, Motor, Hupe, usw, das alles wurde demontiert, zerlegt, gereinigt, und die Einzelteile je nach Erfordernis, Material und Oberfläche mit Korund, Hochofenschlacke oder Glaskugeln gestrahlt.

Nach einer neuerlichen, sorgfältigen Reinigung habe ich die Teile lackiert, die Gewinde nachgeschnitten oder mit Reparatureinsätzen in Stand gesetzt.

Sehr bewährt haben sich die Einsätze bei den Gewinden der Alu-Motorgehäuseteile.

Zwischendurch arbeiteten wir die Sitze und die Seitenverkleidungen auf. Nach einer intensiven Reinigung wurden Löcher und Risse verklebt und die Farbe aufgefrischt.
Auf einem Sitz ist lange Zeit ein Reifen gelegen und hinterließ einen satten schwarzen Aufdruck. Die Farbe hat nach zahlreichem Auftrag auch das überdeckt.

Diese Arbeit war zeitaufwendig und das Ergebnis nicht so toll. Ich würde das nächste mal die Bezüge erneuern. Vielleicht mache ich das noch.
Dann ging die Bodenplatte wieder zum Sandstrahlen und wurde dort auch gleich mit Zink flammgespritzt,

Zwischendurch nahm ich mir den Motor vor. Ich wollte erst mal den Motor nur soweit überholen, daß er noch ein paar km sicher durchhält und anschließend in Ruhe einen 300er aufbauen. Allerdings war beim 250er die Kurbelwelle defekt, von sechs Kolbenringen fand ich nur mehr einen und einen halben. Ein Kolben hatte zusätzlich noch einen Riss.

Da der 250er in erbärmlichen Zustand war, habe ich aus meinem Fundus dann das 300er Gehäuse genommen und mit einer überholten Kurbelwelle, neuen Lagern und Dichtringen, neuen Kolben und neu gebohrten Zylindern das Update auf den größeren Motor vorweg genommen.

Das Getriebe und die Kupplung, sowie das Differential des 250er's war in Ordnung und konnte wieder verwendet werden.
Die Dichtringe habe ich alle erneuert und das Zahnrad für den Retourgang aus einem andern Gehäuse genommen. Gut, wenn man rechtzeitig Teile gesammelt hat...

Für den ersten Probelauf und zum Clubtreffen waren noch die Unterbrecherkontakte drin.

Der Kabelbaum war nicht so schlecht und konnte in kurzer Zeit aufgefrischt werden.

Nachdem die Bodenplatte wieder zurück war, habe ich die Falze und überlappte Bleche mit Owatrol versiegelt und alles mit hellgrauem Chassislack gestrichen.
Ich lasse es auch hellgrau, denn erstens ist es nicht so finster, wenn man unter dem Auto liegt und zweitens sieht man Problemstellen früher.