FULDA? - JA!!

Das 38. Jahrestreffen des GLAS Automobilclubs

Es sah bös' aus: schon beim „Angläsern 2011" begann unser 1300 GT aus dem Nassluftfilter zu „husten". Bei jedem längeren Halt bildete sich auf der Straße eine hässliche bierdeckelgroße Ölpfütze. Ursache war offenbar ein zu hoher Druck im Kurbelgehäuse.


Also auf nach Heinsberg zu Motoren-Ritterbecks! Zylinderkopf und Ölwanne runter, Kolben raus. Diagnose: an zwei (!) Zylindern sind die Kompressionsringe gebrochen. Therapie: Zylinder bohren, honen. Neue Kolben (über Nacht von Uwe Gusen geschickt) und bei Rolf Konen abgeholte Kurbelwellenlager und Motordichtsatz einbauen. Am 8. Juni lief der Motor. Dann 200 km einfahren, Kopfschrauben nachziehen und Ventile und Zündung einstellen. Rechtzeitig am Donnerstagabend war der GT fahrbereit.

Freitag

Früh um 5.45 Uhr Abfahrt zum Treff mit dem „Geleitschutz" des GLAS- und Goggo-Stammtischs Aachen (J.Wendt und H.Strick) und weiter zum Rasthof „Aggertal", wo Eheleute Schey und unser Frühstück warteten. Nur noch ein 12 km langer Stau vor Wetzlar und eine Kaffee- und Kuchenpause im schönen Lauterbach, dann trafen wir mittags am Hotel Esperanto ein. Ein großes Hotel mit harmonischer und behaglicher Atmosphäre. Auch unsere Autos sind gut untergebracht. Nach Empfang der Startnummern und der Teilnehmerunterlagen zog es die Fahrer zum Mittagsschlaf. Die Beifahrerrinnen entschieden sich für einen ersten Bummel in die Innenstadt.
Nachmittags trafen weitere Teilnehmer ein und es begrüßten sich Unbekannte, alte Bekannte und gute Freunde in geselliger Runde. Zum Abendessen lockten verschiedene Restaurants des Hotels. Wir hatten „Rodizio" im „Toro Negro" gewählt: Südamerikanische Fleischspezialitäten vom Grillspieß sowie mediterrane Köstlichkeiten vom Buffet. Wir haben viel zu viel gegessen!

Samstag

Es regnete bei der Abfahrt zur kurzen Stadtrundfahrt mit Ziel Museumshof bzw. Universitätsplatz in der Fußgängerzone. Das konnte für die „Open-Air" Veranstaltung ja heiter werden! Aber...- es wurde heiter. Schon bald wurde es trocken und die Sonne kam durch, die Stadtführungen konnten ohne Schirm beginnen. Durch die mittelalterliche Altstadt ging es zum Stadtschloss. Hier wurde uns eindrucksvoll vermittelt, wie die „Fürstäbte", gleichzeitig weltliche und kirchliche Herrscher, in barockem Pomp und Prunk ihre unbeschränkte Macht vorführten.
Ich finde es fast unglaublich, dass sie „huldvoll" an hohen Festtagen ehrbare und verdiente Bürger zu „Schauessen" einluden, wo diese dann zuhören, zusehen und riechen durften, wie die Herrschaften prassten. Im ersten Moment hatte ich noch gedacht, die Geladenen durften mitessen. (Warum fallen mir hier die Gräueltaten der französischen Revolution an den Adeligen ein??) Zu jener Zeit hatte Fulda ca. 8.000 Einwohner. Am „Hexenturm" erfuhren wir, dass der Richter Balthasar Ross von 1603 bis 1606 etwa 300 „Hexen" hat töten lassen und dabei reich geworden ist: Das Vermögen der Frauen fiel ihm zu! Aber auch er ist später dem Scharfrichter zum Opfer gefallen.
Zurück zum Museumshof und erst mal ein Gang über den Teilemarkt! Mir schien, er sei diesmal kleiner gewesen als bei früheren Treffen. 2012 in Interlaken wird es keinen geben, denn in der Schweiz sind alle ein- und ausgeführten Waren zu verzollen.
Bestens vorbereitet konnte man ohne lange Wartezeit einen leckeren Salat oder frisch bereiteten Flammkuchen bekommen und später am gutsortierten und reichhaltigen Büffet Kaffee und Kuchen. Für mich war es nun an der Zeit, mein Auto auf dem Uni Platz zu besuchen, um noch einmal Zylinderkopfschrauben und Ventile nachzustellen. Dieser große Platz in der Fußgängerzone war vollgeparkt mit GLAS Fahrzeugen, eins schöner als das andere, die von vielen interessierten Zuschauern bewundert wurden.
Eine offene Motorhaube oder gar ein offener Ventildeckel lockten zusätzlich die Leute an. Schnell umringten Interessierte und Sachkundige die „Schrauber". Mehr als einmal kam die Frage: „GLAS? - Was ist das für eine Marke? - Aus welchem Land?" Antwort: Dingolfing und Bayern! – Keine Reaktion. Erst der Satz „Erfinder des Goggomobils" brachte Erkenntnis. Da ist mir bewusst geworden, dass die Firma GLAS und die ganze Palette vom Isar bis zum V8, die von hervorragenden Technikern und Ingenieuren in den wenigen Jahren auf die Räder gestellt wurde, heute nur noch Oldtimerliebhabern bekannt sind.
Als weiteres Highlight für die Passanten fand hier die Vorführung der Square Dance Truppe „Röhn Rabbits Künzell" mit unserem Mitglied Ernst Vogt als Gast statt.
Die Hauptversammlung verlief wohltuend sachlich und konzentriert, die anstehenden Anträge und Wahlen wurden gemeinsam abgearbeitet, wir konnten also zeitig die Rückfahrt zum Hotel antreten.
Für das Abendessen hatten die Veranstalter mit der „Wiesenmühle" ein sehr schön gelegenes rustikales Lokal und Brauhaus ausgesucht. Fußläufig zu erreichen und in Eigenwerbung „Spezialität große Gruppen". Und wir waren eine große Gruppe! Beim halbstündigen Marsch dorthin fragten Passanten: „Ist das eine genehmigte Demonstration? Und wenn ja, wofür oder wogegen?" Wir hätten eine GLAS Fahne mitnehmen sollen!
Im Lokal war genug Platz für uns, das Essen war vorbestellt. Nur schade, dass auf Getränke zum Teil bis zu einer Stunde gewartet werden musste! Ich war durstig und bald sauer! Wenn ich an die Eigenwerbung des Brauhauses denke und davon ausgehe, dass der Wirt vor allem am Getränkeausschank verdient, dann ist es mir völlig unverständlich und unverzeihlich, dass er so schlecht vorbereitet war.
Den Rückweg haben wir, geführt von unseren inzwischen ortskundigen Frauen, am Dom vorbei und durch den Schlossgarten auf schöner Strecke schnell geschafft.

Sonntag

Nach dem Frühstück bei herrlichem Wetter Start zur Ausfahrt in und durch die Rhön. Nach dem genialen Rosenheimer Abbiegesystem ging es auf weitgehend verkehrsfreien Straßen durch die tolle Landschaft. Bergauf haben wir die Goggos gescheucht, bergab wieselten sie davon. Mit Zwischenstopp auf der Wasserkuppe „zum Sammeln" der Karawane und dann ging es ins Freilichtmuseum Fladungen. Dort konnten alle Fahrzeuge publikumswirksam parken.
Das Mittagessen im „Schwarzen Adler" war bestens vorbereitet und wurde schnellstmöglich ausgeteilt. Der Spaziergang durch die Häuser zeigte, wie bescheiden und genügsam die Bevölkerung in der guten alten Zeit lebte, von deren Steuern und Abgaben die Herrschaften in Saus und Braus lebten. Zur musikalischen Wegbegleitung spielte unermüdlich die „Big Band Swing und Jazz Bad Königshofen". Die Kaffee- und Kuchenausgabe im „Brotzeitstübchen" wäre stressig geworden, denn in dem Tante Emma Laden war es halt eng. Da aber die Kundschaft über eine große Zeit verteilt eintrudelte und weil auch gleichzeitig das Goggo Geschicklichkeitsfahren stattfand ( Bericht Seite 22), war der „Stau" zu ertragen. Die Rückfahrt zum Hotel verlief mit dem Roadbook (fast) ohne Probleme. Es war genug Zeit, sich für den festlichen Abend vorzubereiten.
Im großen Saal des Hotels gab es für uns alle Platz ohne Gedränge. Auch am Buffet kam man sich nicht in die Quere. Es war großzügig aufgebaut und reichhaltig bestückt, denn schließlich hatten wir ja „heute noch nichts gegessen!". Gleich danach begann das „Kleine Salonorchester" zu spielen und jeder konnte auch nach Herzenslust das Tanzbein schwingen. Ja, aber muss die Musik der Kapelle so laut sein, dass ein Gespräch selbst mit dem unmittelbaren Tischnachbarn nur in den Musikpausen möglich ist?
In diesen Pausen gab es verschiedene Ehrungen: Zunächst an Margit und Kurt Bigler, dass sie vor 37 Jahren den Club gegründet hatten und auch immer noch dabei sind und dann an viele weitere Mitglieder, die dem Club seit 25 Jahren die Treue halten.
Anschließend stellte Uwe Gusen sechs junge Mitglieder zwischen 17 und 24 Jahren vor, die man sicher als unseren Nachwuchs bezeichnen darf. Stijn Dewil ist bereits letztes Jahr eingetreten, die anderen (Stefan Füchsl, Marco Geering, Andreas, Martin und Michael Döhring) traten spontan auf unserem Treffen ein.
Nach vorne gebeten und beklatscht wurden auch die Mitglieder, die zum ersten Mal bei einem Treffen dabei waren. Auch der Familie Füchsl, die gleich mit drei Generationen (Heribert sen., Heribert jun. und Sohn Stefan) angereist waren, wurde applaudiert.
Eine ein Jahr lang bleibende Erinnerung konnte Michael Döring mit nach Hause nehmen. Er hatte auf der Hinfahrt nach Fulda den Motor von Vater Manfreds 1300 GT etwas durcheinander gebracht und so erwies er sich als stilvoller Träger der Glocke, die an den Pechvogel des Treffens vergeben wird.
Vorgestellt wurden auch die Gewinner des Geschicklichkeitsfahrens. Zu später Stunde durften dann noch die Gastgeber Petra und Matthias Stangl mit ihrem fleißigen Mithelfer Rainer Michel den Applaus des ganzen Saales für ein gelungenes Treffen entgegennehmen.

Montag

Nun stand leider schon wieder das große Aufbrechen bevor. Doch wer sich gar nicht lösen oder noch etwas Zeit erübrigen konnte, der hatte noch die Gelegenheit, im Deutschen Feuerwehrmuseum ganz kräftig rot zu sehen. Ein letzter Imbiss beschloss aber auch dieses schöne Treffen.
Fazit: Fulda? - Ja!!
Es waren auf jeden Fall sehr schöne Tage. Ein großes Dankeschön von uns an die Veranstalter, die das Treffen lückenlos hervorragend vorbereitet haben. Das macht Lust auf mehr! Nach Pfingsten ist vor Pfingsten.... - Wir freuen uns schon auf 2012 in Interlaken. Bis dann!
Hans-Alexander Olschewski