Ein Wochenende in Mozarts Stadt 2009

Das Jahrestreffen in Salzburg

RS-Rennwagen-KuchenFreitag vor Pfingsten – da hat wohl jeder sein individuelles Anfahrts-Erlebnis. In diesem Jahr kommt noch dazu, dass fast jeder von sonnigen 25 Grad ab einer Linie Hof – München in den Regen fährt. Doch dies ist kein Bruch der guten Laune – schließlich sind alle zum GLAS-Treffen unterwegs. Peter Frohnwieser hat uns nach Salzburg eingeladen und so lockt in diesem Jahr wieder Österreich mit dem Jahrestreffen
Dies startet für die, die früh eingetroffen sind, mit einem Abend im Müllner Bräu.
Hier im rustikalen Brauhaus, eigentlich mehr Halle als Kneipe, kann jeder nach seiner Fasson Gerstensaft zu sich nehmen oder sich aus der reichhaltigen Speiseauswahl das für ihn Passende aussuchen. Dieses gestaltet sich besonders originell, da man sich das Essen an verschiedenen Ständen in einer eigenen Halle aussuchen kann.

Zurück geht es nach dem Alkoholgenuss mit dem Linienbus, der uns schnurstracks zurück zum Hotel bringt.
Schließlich findet sich alles in der Wirtsstube des Jägerwirtes ein. Dort gibt es noch viel zu erzählen mit denen, die wir so lange nicht mehr gesehen haben und denen, die neu in unseren Kreis gern aufgenommen werden. Gerade so, wie es eben in einer großen und internationalen Familie ist. Und wie immer dauert das alles das ein oder andere Stündchen länger!
GLAS-Parkplatz vor dem Jäger-WirtSamstag treffen wieder alle am Jägerwirt zusammen, auch die, die aus Platzgründen, in das 900 Meter entfernte Ibis-Hotel ausweichen mussten oder die, die im benachbarten Camping Kasern die Nächte in ihrer mitgebrachten Behausung verbringen.
Für alle, die gerne mit dem Schraubenschlüssel winken, also eher die Männer, eröffnet sich nun wieder der wichtigste, interessanteste und monetär manchmal schmerzlichste Teil des Treffens – der Teilemarkt. Die Kofferräume gehen auf, die Tische biegen sich unter der Last der Technik-Komponenten und auch das eine oder andere bunte Schmankerl ist dabei. Nun gilt es für alle, sich die lange gesuchten Teile zu sichern, einen entsprechenden Vorrat für kommende Fahrten zuzulegen, Teile für Reparaturen zu finden oder die Restauration starten zu können.
Auf der anderen Seite gilt es, Platz in der Garage zu schaffen oder die mit Mühe produzierten Nachfertigungen anzubieten. Dazu gibt es natürlich die neuesten Tipps, Erfahrungen und technischen Infos, Namen und Adressen von Profis, die die letzten Arbeiten besonders gut oder weniger zufriedenstellend ausgeführt haben. In diesen Stunden ist das der größte GLAS Teile- und Informationspool der Welt!!!
Die Damen zieht es eher zur Bushaltestelle direkt am Haus, denn alle 15 Minuten fährt ein Bus in die nahe Innenstadt von Salzburg mit den malerischen Gassen und hübschen Häusern.
Die Getreidegasse zum Beispiel, Salzburgs wohl berühmteste Einkaufsstraße, erhält ihren Charme nicht nur durch hohe, schmale und eng aneinander geschmiegte Häuser, verlockende Geschäfte und die schmiedeeisernen Zunftzeichen, sondern auch durch die romantischen Durchhäuser und Innenhöfe. Typisch für die Häuser sind die vom ersten Stock an kleiner werdenden Fenster und die wunderschönen Hausportale, wie z.B. bei Nr. 9, Mozarts Geburtshaus. In den früheren Wohnräumen der Familie Mozart befindet sich heute das Mozart-Museum. Obwohl die Häuser in der Getreidegasse sehr schmal erscheinen, sind sie doch in keiner Weise winzig, denn sie erstrecken sich nach beiden Seiten der Gasse in die Tiefe. Über den Köpfen der Fußgänger ragen wie damals noch die zierlichen und verspielten Zunftzeichen der Gasthöfe, Geschäfte und Werkstätten. Viele dieser formschönen "Reklamezeichen" sind besonders kunstvoll gestaltet.
Leider schlägt Petrus besonders erbarmungslos zu und stellt die himmlischen Brausearmaturen mehrmals auf volles Volumen.
Am frühen Nachmittag entern viele wieder ihre Fahrzeuge, um mit Hilfe des Roadbooks zu Schloss Hellbrunn zu gelangen. Leider vertreibt der Wettergott aber auch hier die touristisch ambitionierten Besucher und dies verkürzt die Aufenthaltsdauer drastisch.
Nach der darauffolgenden Mitgliederversammlung es sich zu stylen für den Festabend. Denn das ist die gesellschaftliche Seite des Treffens. Bei einem guten Essen, das uns die Küche kredenzt, kommen die Gespräche wieder nicht zu kurz. Doch sie werden mehrmals kurzweilig unterbrochen durch:
- das Verabschieden von Rolf Konen, der als Vorstandsmitglied in verschiedenen Ämtern wirkte und zuletzt den Vorsitz innehatte. Er war so viele Jahre in der Vereinsführung, dass sich bestimmt nicht viele daran erinnern, wie es ohne Rolf gegangen ist. Da die Mitgliederversammlung ihn zum Ehrenmitglied ernannt hat, erhält er jetzt seine Urkunde. Ein besonderes Geschenk ist eine Karikatur, die ihn ganz typisch und charakteristisch im Isar Strandwagen mit Wohnwagen zeigt. In seinen Dankesworten merkt man deutlich, dass für Rolf der Schritt aus dem Vorstand auch einen Schnitt bedeutet. Er verdeutlicht, dass ihm GLAS nie nur Fahrzeug, sondern ein Stück Leben bedeutet und dass er sich die Jahrzehnte ohne die Fahrzeuge und Menschen im Umfeld nie vorstellen konnte.
- Uwe Gusen, seinen Nachfolger im Amt des 1. Vorsitzenden, der die Internationalität des Clubs hervorhebt, in dem er die Mitglieder mit der weitesten Anreise vorstellt: David Webster und seine Frau aus Schottland, Besitzer des einzigen rechtsgelenkten GLAS GTs und Michel Sarrazin, mit Familie aus Avignon in Südfrankreich.
- die Musikgruppe „Hannesla" mit Ihrem Programm „Recyclang" Der Name bezieht sich auf das Recyceln der Musikinstrumente, die für das Erzeugen der Töne genutzt werden. Der Bass zum Beispiel ist der Tank eines Mitsubishi Colt, versehen mit Hals und Saiten. Als Saiten wählte man dem Tonumfang entsprechend Handbremsseile vom Kleinwagen bis zum Rolls-Royce. Das „Beschaffen" der letzteren wäre nur etwas schwieriger gewesen, erläutert der Musiker, da solche Fahrzeuge auf Schrottplätzen sehr selten zu finden seien. Aber nach Rücksprache in Juristenkreisen wäre die evtl. Strafe für´s „ausleihen" weit günstiger ausgefallen als der Kauf der entsprechenden Saite! Ja, auch die Sprüche zu den Instrumenten tragen viel zu den Lachsalven bei. So bleibt kaum ein Fahrzeugteil unbenutzt: Auspuff-Didgeridoo, Kühlwasserschlauch-Xylophon geschlagen mit Teigschabern, Hupen-Orgel, Reservekanister-Dudelsack und viele andere. Und auch eine Chromstoßstange kann mit Hilfe von Saiten, Tonabnehmer und 15er Schlüssel problemlos zur Hawaiigitarre werden, auf der man alle großen Hits der Welt intonieren kann.
Ein weiterer Höhepunkt des Abends ist sicher die GLAS-Torte in Form des GLAS 1300 RS von Dieter Schmidt – ein konditorisches Meisterwerk – und ebenso lecker.
Sonntag – der Tag der großen Rundfahrt durch das Salzkammergut! Und das Beste: Petrus verschickt Sonne, um die Regensauerei der letzten Tage zu trocknen. Bei der Abfahrt vom Parkplatz werden die einzelnen Fahrzeuge vorgestellt. Da aber die Clubmitglieder leider die einzigen Zuschauer und -hörer sind, nimmt deren Zahl mit jedem startenden Fahrzeug weiter ab. Gleich hinter Salzburg steigt die Straße steil an. Schließlich ist die Stadt an der Salzach von hohen Bergen umgeben.
Wir erreichen den Wolfgangsee mit Fotostopp auf der gegenüberliegenden Seite vom „Weißen Rössl". Und tatsächlich, spätestens jetzt fühlt man sich in die schönen Filme der 50er bis 70er Jahre, mit Peter Alexander, Hans Moser oder Gunther Philipp zurückversetzt, die alle in dieser tollen Landschaft spielen. Weiter geht die Fahrt am Schloss Hüttenstein vorbei und wir erreichen den Mondsee, an dem wir auf seiner ganzen Länge entlangfahren. Beim Anblick der glitzernden, eisgrünen Wasserfläche freut es, jetzt nicht baden gehen zu müssen. Beide Seen werden von herrlichen Panoramen umrahmt mit recht steilen Hängen, scharfen Abbrüchen und hohen Felsen – im Süden überragt von Zwei- bis Dreitausendern wie dem Dachstein-Massiv.
Einige scharfe Abzweige bringen uns danach rasch in Gegenden, die uns glauben lassen, sehr schnell zum Ende der Welt zu kommen - so still, einsam und verlassen scheint es. Aber doch, ganz kurz vor dem Ende der Straße erwartet uns im „Gläsernen Tal" ein nettes, kleines Gasthaus, das auf unser Kommen vorbereitet ist. In strahlendem Sonnenschein genießen wir unser Mittagessen und etwas später auch Kaffee und Kuchen bis zum Abwinken! Der Name „Gläsernes Tal" ist übrigens kein Gag, den sich der Wirt für uns ausgedacht hat, denn in diesem Tal wurde schon 1716 Glas erzeugt und zu Flaschen und anderen Medizingläsern für Apotheken verarbeitet. Ein Lehrpfad zeigt den Produktionsprozess und das karge, gleichwohl lebenslustige und interessante Alltagsleben der Arbeiterfamilien im Tal.
Über die weite Hügellandschaft des Attergaues erreichen wir auf Nebenstraßen in kurzweiliger Fahrt wieder Salzburg und unser Hotel.
Nach einer kurzen Ruhepause wartet der Bus. Entgegen der „Androhung" im Roadbook ist es Peter Frohnwieser doch gelungen, noch zwei Busse zu organisieren. Wir alle sind der Meinung, dass es nicht so geschickt wäre, nach dem Besuch einer Brauerei mit dem eigenen Auto wieder zurück zum Hotel zu fahren. So steigen wir frohgemut ein und lassen uns zum Brauzentrum Stiegl chauffieren, wo wir im Innenhof mit einem frisch gezapften Bier aus dem Bierbrunnen und frisch gebackenen, noch warmen Brezeln empfangen werden. Das ist doch ein Einstieg! Dann führt uns Katharina als Guide ins Museum und erklärt auf erfrischende Weise die Welt des Bieres, seiner Rohstoffe, des Brauens und des Reifens. Es endet mit einem historischen Abriss der Biergeschichte. Anschließend erfolgt beim Abendessen für die meisten der Praxistest mit verschiedenen Geschmacksrichtungen. Andere freuen sich, dass es hier am Mittelpunkt des Bieres auch leckere Weine gibt.
Ein letzter Club-Knüller steht bevor: wer bekommt diesmal die Glocke für das größte Pech bei der Anreise im GLAS? Uwe Gusen ruft Joachim Bomba nach oben. Er hat bei der Abfahrt von zuhause festgestellt, dass irgendetwas nicht stimmt und da er den Schaden nicht lokalisieren konnte, hat er nach 3 km Rückfahrt sicherheitshalber die Alfa Giulia genommen. Uwe fühlte ihn zu dem Schaden etwas auf den Zahn und teilte ihm dann mit, dass er nicht die Kuhglocke bekommt. Sichtlich erleichtert verließ Joachim wieder die Bühne, hatte er doch schon innerlich mit der Glocke gerechnet. Als nächster Anwärter kommt Heinz Mergarten nach oben. Peter Frohnwieser erklärt: Heinz rief ihn in der Nacht an, der Isar laufe nicht mehr, er solle ihn bitte abschleppen. Nein, hieß es auf Nachfrage, Benzin sei genug im Tank. Da es inzwischen schon dunkel ist und Heinz den dunkelgrünen Wagen sicherheitshalber in einen Seitenweg mit einer Tannenschonung geschoben hatte, musste Peter etwas länger suchen, kann ihn aber bergen und nach Salzburg schleppen. Am nächsten Morgen, so erklärt Heinz, hatte sich in der Werkstatt herausgestellt, dass die Fieberdichtung am Vergaser porös gewesen sei und deshalb Benzin herausgetropft ist. Tja Heinz, das mag ja stimmen, aber nachtanken hätte man trotzdem sollen. Die Glocke hast Du damit sicher verdient!
Jetzt folgt natürlich auch gleich der Dank des ganzen Clubs an Peter Frohnwieser und sein Team für das gelungene Treffen und die Mühe der letzten Tage und Wochen. Dafür gibt es Blumen für die Damen, ein 04-Modell für Peter und einen Gutschein für einen gemeinsamen Abend zum Reflektieren dieses Pfingstttreffens. Doch schon um 23 Uhr geht der erste Bus, der eine fröhliche Schar zurück zum Hotel und in die Betten bringt.
Montag um 10 Uhr hat uns und Salzburg der Schnürlregen wieder. Das Roadbook zeigt uns den Weg zum Schloss Klessheim, welches heute als Spielkasino genutzt wird. Die tolle Kulisse ist einen attraktiven Fotostopp wert.
Das abschließende Mittagessen nehmen wir im Gasthof Laschensky ein, bevor sich alle nach heftigem Drücken und dem Versprechen, sich spätestens im nächsten Jahr wieder zu sehen, in alle Himmelsrichtungen verabschieden.
Da uns jetzt die „Flutwelle" endgültig aus Salzburg spült (Entschuldigung lieber Peter – Du kannst ja nichts dafür, aber es ist halt einfach teilweise ziemlich nass gewesen) bedanken wir uns bei Peter Frohnwieser und seinem Team für das tolle Treffen!
Wir sehen uns wieder in Berlin!
Andreas Schey

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