50 Jahre Goggomobil in Australien 2008

Im Jumbo von Frankfurt nach Sydney ziehen sich die Stunden immer endlos hin, sonst aber scheint die Zeit tatsächlich wie im Fluge zu vergehen: der 40. Goggo-Geburtstag in Down-Under war uns noch in bester Erinnerung, und das sollte nun schon zehn Jahre her sein?

Bine und ich kamen „just in time" am Freitag früh in Sydney an und bezogen das Gästezimmer von Alvia und Bill Buckle. Nach einer Mütze Schlaf starteten wir nachmittags zum „Castle Hill", dem Veranstaltungshotel, wo die anderen Teilnehmer schon auf uns warteten. Mit großem Hallo wurden wir nicht nur von den sieben anderen Deutschen begrüßt, sondern auch von den Australiern, die wir zuletzt vor sechs Jahren auf unserer Rundreise oder vor drei Jahren in Dingolfing gesehen hatten.
Ein kurzer Fußmarsch brachte uns zu einem naheliegenden Golfclub, in dessen Restaurant ein Barbeque für die ca. 70 Goggo-Enthusiasten stattfand. Bill Buckle hatte es sich nicht nehmen lassen, an diesem Abend alle Teilnehmer einzuladen, die sich meist auch jahrelang nicht gesehen hatten, denn die Entfernungen in Australien verhindern z.B. auch die bei uns so beliebten Wochenendtreffen, wo man seine Clubkameraden doch öfter mal sieht.
Nach dem Frühstück am nächsten Morgen setzte sich die Goggo-Karawane bei sehr frischen Temperaturen ( 6 ° C) in Bewegung:
Morgennebel zur Ausstellung der Fahrzeuge galt es, in einer halbstündigen Fahrt durch Sydneys Außenbezirke den Parramatta-Park zu erreichen, den wir schon vom letzten Treffen her kannten. Wir durften in einem frisch restaurierten Dart von Bill Buckle fahren und machten uns stolz auf den Weg, eingehüllt in sämtliche Jacken, die wir dabei hatten, denn ein Dart hat kein Verdeck, das man schließen könnte und auch keine Heizung.
Der Pulk bestand aus etwa 15 Fahrzeugen aller in Australien vertretenen Typen: Limousinen und Coupes sowohl aus Blech (damals importiert) als auch aus Polyester, Darts, 2 „Carry-All"-Transporter und einem Isar, den ein Kleinwagenfan kurz zuvor in tadellosem Originalzustand in Neuseeland gefunden und herübergeholt hatte.
Insgesamt waren im Park dann 25 Goggo/Dart zu sehen, einige davon nicht fahrtüchtig und auf dem Trailer angereist, was bis zu drei Tage in Anspruch nahm.
Für ein Land, wo die Goggos so weit verstreut sind, war die Teilnehmerzahl bemerkenswert hoch. Den Tag über hatten nun das Publikum und die Medien Gelegenheit, die Autos zu bewundern. Bill Buckle wurde von der Presse als „Gogg-Father" hervorgehoben und immer wieder hörte man aus dem Munde der Besucher das bekannte „Gee - Ooo - Gee - Gee - Ooo", das dort auch 15 Jahre nach dem TV-Spot unvergessen ist.
Während das Fernsehen die Autos aufnahm und Interviews mit Besitzern und Gästen führte (zu sehen bei you tube), verging die Zeit mit Benzingesprächen und gegenseitigen Probefahrten, unterbrochen von einem leckeren Lunch unter freiem Himmel.
Am Abend fand im Hotel ein tolles Dinner statt (alte Leute wissen schon: ich konnte wieder spielend mein Übergewicht halten), dem sich mehrere Vorträge anschlossen: Bill Buckle musste ausführlich über seine Goggo-Vergangenheit berichten, die ihn übrigens wieder eingeholt hat: nachdem er vor 10 Jahren noch wenig Interesse an diesem Abschnitt seines Lebens gezeigt hatte, besitzt er heute gleich zwei Dart mit 400er Motoren in neuwertig restauriertem Zustand, die mitten in seinem Wohnzimmer stehen. Dieser Umstand schränkt seine Bewegungsfreiheit jedoch nicht ein, es sind noch mehrere weitere Wohnzimmer vorhanden.
Natürlich bekam er einen Ehrenpreis vom Veranstalter, da er das Treffen wesentlich unterstützt hatte. Weitere Preise gab es für die weiteste Anreise und auch für die schönsten Fahrzeuge, deren Zustand nochmals besser geworden ist: es gab nur wenige Autos, die noch Arbeit brauchten.
Während der Ansprachen galt es in einem Wettbewerb, Goggoteile durch Betasten zu erraten, die in einem Beutel versteckt waren. All jene, die geglaubt hatten, Teile wie Radbremszylinder, Kolbenbolzen und Zylinderkopfdichtung erkannt zu haben, wurden von Ralf (von der „Goggo-Family") deklassiert: er hatte erfühlt, ob die Teile zum 300er- oder 400er-Motor bzw. zur vorderen oder hinteren Bremse gehörten. Damit konnte er diese Übung klar für sich entscheiden.
Viel zu schnell ging dieser Abend vorüber, und am nächsten Morgen galt es, früh aufzustehen: schon um 6.45 Uhr (!) brach die Goggo-/Dart-Kolonne zu einer nahegelegenen Rennstrecke auf, wo ein großes Oldtimer-Treffen mit über 1500 Autos aller Fabrikate stattfand.
Es ist unwahrscheinlich, was es dort unten an Fahrzeugen gibt: Oldtimer aus England überwiegen zwar, aber auch deutsche und US-Modelle waren gut vertreten. Interessant für uns die Vielzahl japanischer Oldies, die nie nach Europa verkauft wurden und bei uns völlig unbekannt sind.
Im Innenraum der Strecke wurden alle Oldtimer nach Fabrikaten oder Clubs geordnet und konnten ausgiebig bewundert werden. Teilehändler gab es nur verschwindend wenige, es war eine gigantische Auto-Show. Über den Tag verteilt durften alle Clubs mit ihren Wagen eine Runde auf der Rennstrecke drehen, so dass man vom schnellen Porsche oder Jaguar bis zu Isetta oder Messerschmitt alle Autos auch in Aktion bewundern konnte.
Am Nachmittag begann dann der Abschied: die ersten Teilnehmer traten den teilweise mehrtägigen Heimweg an, der Rest traf sich später noch zum gemeinsamen Abendessen.
So ging ein herrliches Treffen zu Ende, mit dem sich die Veranstalter viel Mühe gegeben hatten. Manche bemerkten mit einem Augenzwinkern, dass wir uns beim 75. Dart-Geburtstag wiedersehen würden. Dazu fallen mir gleich 4 Fragen ein: und was ist mit dem 55., 60., 65. und 70. Geburtstag? Aber so lange mussten wir nicht warten: schon für´s GLAS Clubtreffen 2010 in Berlin hatten mehrere Goggo-Freaks aus Down-Under ihr Kommen zugesagt. Das Oldtimer-Hobby verbindet eben - weltweit!
Mehr über Bill Buckle und die Goggoproduktion in Australien erfahren Sie im Kapitel  Sonstige Fahrzeuge/Lizenzbauten.
Bernhard Bergmann

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